Wie dir sicher schon mal aufgefallen ist, häufen sich momentan die Behauptungen, dass Weizen sowie andere Getreideprodukte und das darin enthaltene Gluten uns dick und krank machen.

In verschiedensten Büchern und Zeitschriften wird über die Glutenunverträglichkeit berichtet und es werden diverse Aussagen dazu getroffen. Zudem findet man immer mehr weizen- und glutenfreie Produkte im Handel.

Doch ist Weizen beziehungsweise Gluten wirklich so schlecht für den Körper?

Und was ist eigentlich mit Vollkornprodukten? Sind diese ebenso schlecht?

In diesem Artikel möchte ich dir erklären, wie glutenhaltige Getreideprodukte auf deinen Körper wirken und ob sie schädlich sind. Besonders dem vermeintlich „bösen“ Gluten gehen wir auf die Spur, um aufzuklären, ob du vielleicht an einer Glutenunverträglichkeit leidest.

Was ist eigentlich Weizen? Welche Getreidearten gibt es noch?

Weizen ist nach Reis und Mais das weltweit am häufigsten angebaute Getreide. In der EU generell und besonders in Deutschland und Österreich ist es auch das bedeutendste Getreide.

Weizengetreide wird besonders gern genutzt, da es die Fähigkeit hat Klebereiweiß (Gluten) zu bilden. Dadurch hat dieses Getreide sehr gute Backeigenschaften, die Backwerke werden fluffig und knusprig.

Weizen ist im Verlauf der Jahre immer weiter hochgezüchtet worden. Die neuen Sorten enthalten viel mehr von dem Klebereiweiß, als es früher der Fall war.

Alte Weizensorten wären zum Beispiel Emmer, Kamut oder Einkorn. Diese enthalten weit weniger Gluten, jedoch mehr Nährstoffe als herkömmlicher Weizen.

Weitere Getreidesorten, die ebenfalls das Klebereiweiß Gluten enthalten und sich somit gut zum Backen eignen, sind Dinkel, Grünkern (unreifer Dinkel), Roggen, Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Gerste.

Was ist der Unterschied zwischen Weißmehl und Vollkornmehl?

Bevor wir uns der Gluten-Thematik widmen, möchte ich auf ein Thema eingehen, das oft diskutiert wird. Die Debatte, ob Weißmehl schlecht und Vollkornmehl gut ist, schlägt oft hohe Wellen.

Fakt ist: Vollkornmehl enthält generell mehr Nährstoffe.

Das liegt daran, dass Nährstoffe, wie B-Vitamine, Zink, Magnesium und so weiter in der Schale und im Keimling sitzen.

Beim Vollkornmehl wird das ganze Korn vermahlen, das heißt die Nährstoffe sind noch im Mehl.

Da beim Weißmehl das polierte Korn verwendet wird, bei dem die Schale und der Keimling komplett entfernt wurden, ist es nährstoffärmer.

Vollkornmehl ist zudem ballaststoffreicher, sättigt also länger und fördert die Darmtätigkeit.

Weißmehl ist nicht per se schlecht. Es bietet nur nicht viel Mehrwert, so wie es das Vollkornmehl tut.

Besonders wenn du abnehmen möchtest, solltest du aufgrund der besseren Sättigung eher zu Vollkornprodukten greifen. Kalorienmäßig sind die Produkte aus beiden Mehlarten allerdings ähnlich.

Da beim Abnehmen vor allem das Kaloriendefizit zählt, kannst du aber auch abnehmen, wenn du hin und wieder helle Nudeln isst.

Was ist Gluten?

Gluten ist, wie schon oben erwähnt, ein Protein in gewissen Getreidesorten.

Besonders stark ist es im hochgezüchteten Weizen vertreten, was ihm seine guten Backeigenschaften verleiht.

In Verbindung mit Wasser wird aus Gluten das sogenannte Klebereiweiß gebildet. Gluten ist ein guter Emulgator und Träger für Aromastoffe, es kann sehr gut Wasser binden und stabilisiert.

Mit diesen Eigenschaften ist Weizen in der Backwarenherstellung sehr beliebt, da Gebäck aus Getreidesorten, die viel Gluten enthalten, meist am besten herzustellen ist.

Getreidesorten wie Mais, Reis, Hirse, Braunhirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, verschiedenste Samen, Johannisbrotkernmehl, Tapioka und Maniok enthalten kein Gluten. Auch Kartoffeln und Hülsenfrüchte sind glutenfrei.

Ist Gluten schädlich für den Körper?

Frau mit einer Glutenunverträglichkeit

Um es gleich vornewegzunehmen, nein, Gluten ist nicht per se schlecht und schädlich.

Hast du beim Verzehr glutenreicher Produkte keinerlei Beschwerden, so werden sie dir auch nicht schaden. Es gibt keine bedeutsamen wissenschaftlichen Belege dafür, dass Gluten einem Gesunden schadet.

In einer Langzeitstudie, die von 1986 bis 2010 durchgeführt wurde, wurde getestet, ob gesunde Testpersonen, die ohne Gluten leben, dadurch wirklich gesundheitliche Vorteile genießen.

Je nach Glutenkonsum teilten die Forscher die Teilnehmer in fünf Gruppen ein. Es kam heraus, dass es auch in der Gruppe, in der fast gar kein Gluten konsumiert wurde, keinerlei gesundheitliche Unterschiede zu den anderen Testpersonen gab.

Im Gegenteil, es wurde sogar beobachtet, dass Menschen durch den Glutenverzicht auch kaum mehr Vollkornprodukte aßen.

Vollkornprodukte haben wissenschaftlich belegt einen positiven Einfluss auf den Darm und auch hinsichtlich der Herzgesundheit können teils wünschenswerte Effekte verzeichnet werden. Diese bleiben bei einer glutenfreien Ernährung dann natürlich aus.

Besonders problematisch ist ein strikter Verzicht auf Gluten für Kinder. Wird der Körper nicht nach und nach, wie bei der Breikost üblich, an Gluten herangeführt, ist nämlich es viel wahrscheinlicher, dass die Kinder später gar kein Gluten mehr vertragen.

Wie du siehst, ist Gluten für den Gesunden nicht schädlich.

Es gibt allerdings drei Krankheitsbilder, die mit einer Unverträglichkeit von Weizen, beziehungsweise Gluten zu tun haben.

Die Zöliakie, die Weizenallergie und die Weizensensitivität. Hier ist der Verzicht von Gluten von hoher Bedeutung.

Zöliakie oder Sprue als schlimmste Glutenunverträglichkeit

Zöliakie ist eine immunologisch vermittelte chronisch-entzündliche Darmerkrankung.

Wenn Betroffene Gluten zu sich nehmen, führt dies zur Zerstörung der sogenannten Darmzotten.

Über diese Darmzotten werden aber alle Nährstoffe aufgenommen. Sind diese Darmzotten verkümmert, können die Nährstoffe nicht mehr richtig aufgenommen werden.

Dies kann auf Dauer zu schweren Krankheiten, wie zum Beispiel Darmkrebs oder Osteoporose (Knochenschwund) führen.

Die Symptome einer glutenhaltigen Ernährung bei Zöliakieerkrankten können Durchfälle, Gewichtsverlust und Nährstoffmangel sein.

Hält man eine strenge glutenfreie Diät, können sich die Darmzotten wieder regenerieren und die PatientInnen können beschwerdefrei leben.

Bei jeder erneuten Glutenaufnahme werden die Darmzotten jedoch wieder angegriffen.

Eine lebenslange glutenfreie Diät ist also Pflicht für die Erkrankten.

Mit einem Prozent der europäischen Bevölkerung ist die Zöliakie allerdings recht selten.

Solltest du aber den Verdacht haben, darunter zu leiden, solltest du dich beim Arzt durchchecken lassen.

Dies funktioniert in der Regel über eine Blutanalyse. Meist wird auch eine Darmbiopsie gemacht, um zu sehen, ob die Zotten noch intakt sind.

Weizenallergie

Bei einer Weizenallergie kommt es zu allergischen Reaktionen auf gewisse Eiweißbestandteile im Getreide. Es können Atembeschwerden, Hautausschläge, Magen-Darm-Beschwerden sowie Kopfweh und Schwindel ausgelöst werden.

Es gibt auch sogenannte Weizen-Soforttyp-Allergiker, die innerhalb weniger Stunden nach der Einnahme von Getreide, insbesondere Weizen, sehr starke Magen-Darm-Beschwerden aufweisen.

Diagnostiziert wird eine Weizenallergie folgendermaßen:

Zuerst werden mit einem Beschwerde-Tagebuch die Symptome der Allergie festgehalten. Dann wird man auf spezifische Antikörper im Blut getestet und es wird ein Haut-Pricktest gemacht, so wie bei anderen Allergien auch.

Treten ähnliche Beschwerden wie bei der Zöliakie auf, sollte allerdings vor diesen Tests eine Zöliakie ausgeschlossen werden.

Weizensensitivität

Die Weizensensitivität wird immer bekannter.

Bei dieser Art von Unverträglichkeit können weder eine Zöliakie, noch eine Weizenallergie nachgewiesen werden.

Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, aber auch Kopfschmerzen, Müdigkeit und Unwohlsein treten beim Konsum gewisser Getreidesorten trotzdem auf.

Wird auf eine weizenhaltige Nahrung verzichtet, kommt es meistens zur Besserung der Beschwerden.

Es ist allerdings noch unklar, wie diese Sensitivität entsteht. Dieses Gebiet ist leider auch noch recht unerforscht.

Merkt man allerdings, dass die Beschwerden beim Verzicht auf Gluten oder Weizen besser werden, ist eine Weizensensitivität möglich. Auch in diesem Fall sollte auf glutenhaltige Getreidesorten beziehungsweise Weizen verzichtet werden.

Fazit

Bist du von keiner der oben genannten Krankheiten betroffen, ist der Konsum von glutenhältigen Getreidesorten in keinster Weise schädlich. Es gibt also keinen Grund, darauf zu verzichten.

Ersatzprodukte sind oftmals auch viel teurer und schmecken meist nicht so gut wie das Original.

Halte dich an eine ausgewogene Ernährung, die neben glutenhaltigen Produkten (vor allem Vollkornprodukte) auch Getreidealternativen, wie Hirse, Quinoa, Reis und so weiter enthält. Dazu noch ausreichend Obst und Gemüse, genügend Protein und Fette und du bist bestens versorgt und musst keine Angst haben von Gluten dick oder krank zu werden.

Leidest du nach dem Verzehr von Getreideprodukten an den oben genannten Beschwerden, solltest du sie ärztlich diagnostizieren lassen. Selbsttests aus dem Internet oder alternative Methoden bei einem Heilpraktiker sind in so einem Fall nicht zielführend bis schädlich.

Bist du im Endeffekt wirklich von einem der drei Krankheitsbilder betroffen, solltest du nicht gleich verzweifeln.

Auch mit so einer Einschränkung kannst du abwechslungsreich und gesund essen.

Vor allem sogenanntes Pseudogetreide wie Quinoa, Hirse, Vollkornreis und so weiter bieten dir gute Nährstoffe und ausreichend Ballaststoffe. Außerdem sind diese Lebensmittel sehr vielseitig und können in vielen verschiedenen Varianten zubereitet werden.

Hoffentlich konntest du einige neue Informationen über das Thema Weizen mitnehmen und hast gemerkt, dass Weizen doch nicht so schlimm ist.

Solltest du weitere Fragen zum Thema haben, stelle sie uns gerne in den Kommentaren.

Viele liebe Grüße,

dein Fitshapery Team

Weizenunverträglichkeit erkennen

201 Shares